Bergleute für drei Stunden - Ein Erlebnisbericht PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Martin Dunker   
Montag, den 31. August 2009 um 13:34 Uhr

Es war ein Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde. Es wirkt immer noch nach, obwohl schon ein paar Tage vergangen sind. Eingefahren sind wir in das Bergwerg Prosper Haniel in Schacht 9. D. h. erst einmal haben wir uns mit dem größten Teil der Gruppe am Pulsar getroffen. Hier haben wir Fahrgemeinschaften gebildet und sind dann gemeinsam nach Prosper IV gefahren. Diese Schachtanlage liegt in Bottrop am Vossundern. Ursprünglich sollten wir in Schacht V einfahren, doch dies wurde kurzfristig geändert. Die Förderung von Kohle wird halt nicht eingestellt, nur weil eine Besuchergruppe unter Tage ist. Dies war im übrigen auch unser Wunsch. Wir wollten den Bergbau so erleben, wie der Kumpel ihn während seiner Schichten erlebt. Am Schacht angekommen, meldeten wir uns an der Pforte und wurden auch gleich in Empfang genommen. Einer unserer Begleiter für den Tag führte uns in einen Besprechungsraum. Dort warteten zwei weiter Männer der RAG auf uns.

Bei einer Tasse Kaffee gaben sie uns einen Überblick über den Bergbau auf Prosper Haniel und über dass, was uns in den nächsten gut drei Stunden erwarten sollte. Auch wenn ich ein mulmiges Gefühl im Bauch hatte, ein Zurück gab es jetzt nicht mehr. Wir machten uns auf den Weg in die Kaue, in der sich die Besucher umziehen. Hier lag unsere Arbeitskleidung bereit. In den Spinden fanden wir Unterwäsche, Socken, einen Arbeitsanzug, Helm und Schutzbrille. Auf unseren grünen Badeschlappen schlürften wir dann zur Ausgabe der Arbeitsschuhe. Unsere Badeschlappen blieben in der Schwarzkaue, wo wir uns die Schienbeinsschohner und Schuhe anzogen. Dann ging es eine Treppe abwärts in die Lampenstube, zur Ausgabe der Atemgeräte für den Notfall. Auch eine Batterie, die über ein Kabel mit einer Taschenlampe verbunden war, erhielten wir hier. Beim anlegen standen uns unsere Begleiter helfend zur Seite.

Anschließend bestiegen wir mit der Gruppe, begleitet von drei Personen der RAG, in voller Montur den Aufzug/Förderkorb. Dieser brachte uns etwas holperig in Windeseile auf 1000 m unter Tage. Die Tür ging auf und wir blickten in einen von Leuchtstoffröhren erleuchteten Raum in dem Schienen lagen. Uns wurde erklärt, dass hier das Verladen der Kohle überwacht wird. Am Förderband entlang, machten wir uns auf den Weg in Richtung Streb, denn wir wollten ja sehen, wo die Kohle liegt und wie sie abgebaut wird. Ein Begleiter der RAG lief voran, einer blieb in der Mitte und ein weiterer lief am Ende unserer Gruppe. Es war warm und zu meiner Überraschung, sehr windig. Mir war klar, dass ein Schacht mit Luft versorgt werden muss, aber dass da so viel Druck hinter ist, hatte ich nicht erwartet.

Auf unseren Weg lagen mehrer Wetterschleusen, die für unsere Gruppengröße gerade ausreichend waren. Tür auf, alle rein, dann zusammenrücken, die Tür hinter uns wurde geschlossen und vordere wurde geöffnet. Weiter ging es, bergab, immer am Förderband entlang. „Glückauf“ hin und wieder kamen wir an einem Bergmann vorbei, der uns aus seinem von Kohlestaub gezeichneten Gesicht, anblickte und seine Arbeit verrichtete. Neben uns ratterte das Förderband, über das wir mehrmals klettern mussten, um unser Ziel zu erreichen. Auf unserem Weg zum Abbau warteten wir durch einige Pfützen, in die Bohlen verlegt waren, damit man trockenen Fußes, seinen Weg gehen konnte.

Ein kurzer Stopp, Sprengung, Rauch und weiter.

Dann hatten wir endlich unser Ziel, den Streb erreicht. Ein Loch mit einer Höhe von ca. 0,80 m, in das wir krabbelten. Neben uns der Kohlenhobel, über uns ein mächtiges Schild, dass uns vor dem Gebirge über uns schützte. Der Kohlehobel war abgeschaltet, da ein Defekt vorlag. Der Streb hatte eine Länge von ca. 250 Meter, glücklicher Weise blieb uns erspart, diese Strecke auf Knien zurück zulegen. Andere Besuchergruppen waren diesen Weg schon gegangen. Bevor wir uns wieder auf den Rückweg machten, durften wir uns zum Andenken, noch ein Stück Kohle einstecken.

Jetzt ging es Berg auf, Schluck!!! Aber auch das haben wir geschafft, ohne dass einer oder eine schlapp gemacht hat. Bergleute die uns entgegen kamen, riefen ihren Kollegen zu „Die sehen ja noch ganz gut aus“ Na ja, man wollte sich ja auch keine Blöße geben. Ich war froh wieder im Förderkord zu stehen und hoch gezogen zu werden. Über Tage angekommen, stellten wir uns für ein Gruppenfoto auf und machten uns dann wieder auf den Weg zur Schwarzkaue. Kurz vor der Kaue mussten wir Männer warten, da sich zuerst die Frauen in unserer Gruppe, ihrer Arbeitskleidung entledigten. Nachdem wir uns geduscht und umgezogen hatten, bekamen wir von der RAG noch etwas zu essen und etwas zu trinken. Da Alkohol auf der Zeche verboten ist, natürlich nur Getränke ohne Alkohol. Gestärkt, aber auch ein wenig erschöpft, tauschten wir uns über das Erlebte aus und sprachen über den Bergbau im Allgemeinen.

Ein toller, erlebnisreicher Nachmittag ging damit dem Ende zu. Auf diesem Weg möchte ich der RAG und unseren Begleitern nochmals für alles danken.

Glückauf!!!